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Haltungsänderung bewirken

Buntes Menü für Menschen mit Demenz

Prozessgestaltung
Schulungen, Fortbildungen usw.
Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg
Gesamtes Krankenhaus - Klinik für Erwachsene
Veröffentlicht am
Zuletzt geändert am
Abendessen, wie es die Küche verlässt, © Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg
Abendessen, wie es die Küche verlässt, © Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg

Unterstützung einer selbstständigen Essensaufnahme

Zielsetzung

Menschen mit Demenz (MmD) werden bei der Essensversorgung oftmals vernachlässigt bzw. bleiben unberücksichtigt, da sie ihre Vorlieben teilweise nicht artikulieren können, Unterstützung beim Essen benötigen, oder das Essen nicht auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist. 

Das Bunte Menü bietet MmD auf den Stationen eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Kost. Ein Zwei-Wochen-Plan in zwei Varianten, bietet Abwechslung sowohl für MmD mit vegetarischer Vorliebe, als auch für omnivore Kost. Dabei wurde der Verzicht auf Schweinefleisch berücksichtigt. Ein Ausfüllen von Speiseplänen und somit eine Entscheidung zwischen angebotenen Gerichten entfällt und strapaziert weder unnötig die MmD, noch zeitlich die Mitarbeitenden.

Ziele:

  • Eine selbständige, aktive Essensaufnahme unterstützen, zum Essen motivieren und die Lebensqualität der MmD steigern.

  • Eine abwechslungs-, nährstoffreiche und vertraute Kost bieten

  • Einer Dehydratation und Mangelernährung entgegenwirken.


Die Bedürfnisse im Blick

Projektbeschreibung

Durch eine mehrdimensionale hausweite Information sowie Kommunikation bzgl. des veränderten Essverhaltens und Geschmacksempfindens bei MmD, konnten alle Mitarbeitenden für das Thema sensibilisiert werden. 
Aus den täglich verfügbaren Speisenkomponenten des allgemeinen Menüplans wurde pro Tag ein Menü erstellt, welches farblich ansprechend und von der Konsistenz gut essbar ist - wenn möglich sogar als „Fingerfood“. 
Dafür wurden Beilagen ausgetauscht oder weggelassen. Auf „exotische“ Gerichte wurde verzichtet, da diese nicht vertraut sind. Stattdessen wurden Gerichte mit Wiedererkennungswert ausgewählt, um durch Geruch und Geschmack auf Erinnerungen zurückgreifen zu können. Pflegekräfte, Teamhelferinnen und Demenzbegleiterinnen wurden geschult.


Der Stationsbedarf wurde um Komponenten ergänzt, wie z. B. Ketchup (farblich aufpeppen sowie süßliche Note) oder Himbeersirup (durchsichtiges Wasser „sichtbar“ machen), um weitere kreative Möglichkeiten der Unterstützung zu bieten. Eine rote Serviette auf den Tabletts zeigt zum einen sofort, dass es sich um ein Buntes Menü handelt, zum anderen dient sie als Untersetzer und Kontrast zum weißen Tisch und weißen Teller. Ein Esslöffel unterstützt die selbständige Essensaufnahme. Ein „Betthupferl“ (süße Nachspeise) vor dem Schlafengehen wirkt einem Blutzuckerabfall in der Nacht entgegen, da das Abendessen im Krankenhaus bereits sehr früh erfolgt. 
Nach ausgiebiger Literaturrecherche erfolgten Treffen mit unserem motivierten Team der Küchenleitung. Wünsche und Möglichkeiten wurden diskutiert und zwei Varianten des Bunten Menüs gemeinsam erstellt (vegetarisch und klassisch). Auf eine digitale Bestellmöglichkeit wurde Wert gelegt (andere Patientinnen und Patienten erhalten noch ein Papier-Menüheft zum Ankreuzen).


Von der Küchenleitung wird das Menü dann in das Programm CUVOS eingepflegt. Mit dem Frühjahrs-/Sommerprogramm 2023 wurde das Projekt dann in die Tat umgesetzt. Alle Stationen erhalten pro Halbjahr einen laminierten Essensplan zur Übersicht der aktuellen Gerichte, die sich nach 14 Tagen wiederholen. Neben dem Küchenteam wurden alle Pflegekräfte, Teamhelferinnen und Demenzbegleiterinnen geschult und durch E-Mails und Präsenz der Pflegedirektion auf den Stationen informiert.


Durch einen großen Artikel in der Zeitschrift für Mitarbeitende erfolgte die Kommunikation des Projekts an das ganze Haus (siehe beigefügte Dokumente). Das Projekt wurde in das Demenzkonzept des Hauses aufgenommen. Ein Leitfaden wurde in das Intranet eingepflegt und die aktuellen Menüpläne des Bunten Menüs sind ebenfalls im Intranet einzusehen.

Zentrale Aufgaben

Menüauswahl 
Halbjährlich wird in Zusammenarbeit mit der Küche eine Menüauswahl und -zusammenstellung nach definierten Kriterien getätigt. 

Kommunikation 
Der Menüplan mit den zwei Varianten des Bunten Menüs wird an die Stationen verteilt. Es wird jedes Mal um Rückmeldungen gebeten, falls ein Gericht gar nicht angenommen wird, damit sofort Änderungen vorgenommen werden können. Zudem werden zweimal im Jahr Feedbackrunden vom Küchenteam angeboten, damit die Teamhelferinnen alle Neuigkeit bzgl. Essensversorgung (Stationsbedarf, Sonderkost, Menüpläne etc.) erfahren.

Handhabung 
Die rote Serviette dient beim Austeilen des Essenstabletts als Erinnerung, dass dieses Menü eine Person mit Demenz erhält. Die geschulten Maßnahmen (Serviette als Untersetzer, nur einen Teller nach dem anderen servieren, Kleidungsschutz zum essen etc.) werden dadurch eingeleitet.

Zeitlicher Ablauf und Ausblick

Projekt-Fahrplan

Frühjahr 2022: Literaturrecherche und erste Treffen zum Ideen- und Machbarkeitsaustausch mit dem Leitungsteam der Küche.

Ende 2022/Anfang 2023: Festlegung der Auswahlkriterien und Vorbereitung notwendiger Maßnahmen zum Start (Anschaffung rote Servietten, Aufnahme hilfreicher Essenskomponenten in den bestellbaren Stationsbedarf, Vorbereitung von Jahreskalendern mit Angabe von geraden und ungeraden Wochen, Information an das Küchenpersonal, Vorankündigung auf Stationen).

Februar 2023: Nach Druck der regulären Menüpläne für Patientinnen und Patienten erfolgte die Menüzusammenstellung für das Bunte Menü und die Menüpläne konnten gedruckt und laminiert werden.

April 2023: Start des ersten Menüplans in der praktischen Umsetzung

August 2023: Einholen von Feedback der Station und Auswertung dessen (sehr gute Resonanz, keine Änderungswünsche von Seiten der Stationen)

Oktober 2023: Buntes Menü geht in die nächste Runde; seitdem jedes Halbjahr ein neuer Menüplan

Ausblick: Evtl. hygienisch abwischbare rote Untersetzer, die fest bei dem MmD am Nachttisch bleiben.

Gut zu wissen
  • Unbedingt daran denken, immer alle beteiligten Berufsgruppen zu informieren (auch z. B. die Physiotherapie)

  • Trotz durchdringender Information fanden sich noch Mitarbeitende, die bisher nichts vom Bunten Menü gehört hatten

  • Daher ist eine wiederholende Information (bei uns Rundmail zu jedem Menüwechsel und persönliches Austeilen der Menüpläne mit Feedback Einholung und Austausch auf den Stationen) unerlässlich

  • Projekte müssen nicht nur zur Einführung begleitet werden

Unsere Arbeit im Bild

Projektgalerie

Menschen mit Demenz ressourcenorientiert einbeziehen

Zitat

MmD werden bei der Essensversorgung oftmals vernachlässigt bzw. bleiben unberücksichtigt, da sie ihre Vorlieben teilweise nicht artikulieren können, Unterstützung beim Essen benötigen, oder das Essen nicht auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist.

Verena Backhaus

Kontakt & Ansprechperson

Verena Backhaus
Qualitätsmanagementbeauftragte Pflege; Geriatrische Pflegeentwicklung; B.Sc.

Hinweis:
Das Urheberrecht an den bereitgestellten Bildern, Grafiken und Dokumenten liegt bei dem jeweiligen Krankenhaus.

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